Günther Wassilowsky



Die Konklavereform Gregors XV. (1621/22)



Wertekonflikte, symbolische Inszenierung und Verfahrenswandel im posttridentinischen Papsttum

Die Konklavereform Gregors XV. (1621/22)
  • 978-3-7772-1003-2
  • 9783777210032
  • Günther Wassilowsky
  • Wertekonflikte, symbolische Inszenierung und Verfahrenswandel im posttridentinischen Papsttum
  • Päpste und Papsttum
  • 38
  • X, 406
  • 2010
  • 18.02.2010
  • mit 16 zum Teil farbigen Abbildungen
  • 2,4 x 1,7 cm
  • 112,00
  • Anton Hiersemann Verlag


  • Das Konklave, die Kardinalsversammlung zur Papstwahl, ist das Ursprungsereignis der religiösen und politischen Kultur der päpstlichen Wahlmonarchie. In nahezu regelmäßigen Abständen vollzieht sich bei der Wahl des Stellvertreters Christi auf Erden eine Rekonstitution der gesamten ekklesialen und sozialen Ordnung von Kurie und päpstlichem Hof, der Stadt Rom, des Kirchenstaates, der römisch-katholischen Kirche und – zumindest dem Anspruch nach – des universalen Erdkreises unter einem neuen Haupt.
    Angesichts dieser eminenten Bedeutung des Konklaves, das doch eigentlich immer größte Neugierde auf sich zog, ist es verblüffend, wie rudimentär bislang die Kenntnisse von genauem Verfahren und Theorie, den Riten und Requisiten der vormodernen Papstwahl waren.

    Auf der Grundlage einer Vielfalt bisher unpublizierter römischer Quellen ganz unterschiedlicher Gattung und Provenienz (u.a. aus dem der Forschung lange unzugänglichen Archiv der päpstlichen Zeremonienmeister) öffnet die Münsteraner Habilitationsschrift von Günther Wassilowsky, derzeit Professor für Kirchengeschichte in Linz, gleichsam zum ersten Mal die vermauerten Fenster und Türen eines Konklaves, um zu ermitteln, auf welche Art und Weise im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit ein Kardinal zum Papst gewählt wurde.

    Nach einer genauen Rekonstruktion der Entwicklung der Papstwahlmodi im Mittelalter steht im Fluchtpunkt und Zentrum der Untersuchung die große Konklavereform von 1621/22, die nach jahrzehntelangen innerkurialen Debatten gegen heftigen Widerstand schließlich unter dem nur kurz regierenden Papst Gregor XV. Ludovisi (1621-23) realisiert worden ist, dann drei Jahrhunderte lang in Geltung sein wird und auch für die heutige Papstwahlordnung immer noch den Grundbestand des Verfahrens- und Symbolrepertoires bereitstellt.

    Die Studie zeigt, dass das entscheidende Movens und zentrale Herzstück der gregorianischen Reform die Abschaffung einer Wahlform gewesen ist, die in keinem normativen Rechtstext zur Papstwahl jemals Erwähnung gefunden hat (und deshalb von der Forschung weithin unbeachtet blieb), nach der aber die überwiegende Mehrheit der Päpste des 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts faktisch gewählt worden ist: Nämlich die so genannte Adorationswahl, bei der das Ritual der Huldigung zum performativen, rechtskonstitutiven Akt wurde. Technik und Symbolik dieser Wahlform brachten die nepotistische Klientelstruktur des frühneuzeitlichen Papsthofes idealiter zum Ausdruck und erzeugten sie immer wieder neu.

    Die antinepotistisch ausgerichtete Konklavereform Gregors XV. eliminierte die Adorationswahl durch die erstmalige Einführung der definitiv geheimen Skrutinalwahl. Eine mit der Reform eingehergehende umfassende, minutiös geplante ‚Inszenierung des Geheimen‘ sowohl im Inneren des Konklaves als auch nach Außen hatte weitgehende Konsequenzen u.a. für das Selbstverständnis des Kardinalats und für die grundsätzliche Herrschaftslegitimierung des posttridentinischen Papsttums insgesamt.
    Stets kommt bei der Betrachtung des ,römischen Systems‘ der genuine Blick des Kirchenhistorikers und das Interesse an der historischen Wirkmacht theologischer Wertevorstellungen und ihrer symbolischen Vermittlung zur Geltung. Durch die Aufnahme neuerer allgemeinhistorischer Deutungsansätze – insbesondere der Freiburger mikropolitischen Forschung und der Münsteraner Symbol- und Verfahrensgeschichte – wird mit dem Werk eine methodisch innovative, gleichermaßen theologisch wie kulturwissenschaftlich ausgerichtete Papstgeschichte vorgelegt.

    Textanhänge (z. B. Bulle «Aeterni Patris Filius»), Quellenverzeichnis sowie ein Personenregister erschließen das Werk.

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