Gertrud Maria Rösch (Hrsg.)



Fakten und Fiktionen. Werklexikon deutschsprachiger Schlüsselliteratur 1900-2010



Zweiter Halbband: Heinrich Mann bis Zwerenz

Fakten und Fiktionen. Werklexikon deutschsprachiger Schlüsselliteratur 1900-2010
  • 978-3-7772-1214-2
  • 9783777212142
  • Gertrud Maria Rösch
  • Zweiter Halbband: Heinrich Mann bis Zwerenz
  • Hiersemanns bibliographische Handbücher (HBH)
  • 21
  • XII, 390
  • 2013
  • 05.02.2013
  • Leinen
  • 27,5 x 20,0 cm
  • 378,00
  • Anton Hiersemann Verlag


  • Mit dem zweiten Halbband liegt das Werklexikon deutschsprachiger verschlüsselter Literatur des 20. Jahrhunderts nun abgeschlossen vor. Seine 133 ausführlichen Autorenartikel erfassen zum ersten Mal etwa 200 literarische Werke, in denen historische Personen und Begebenheiten durch spezifische Verschlüsselungsverfahren verhüllt und doch zugleich identifizierbar gemacht werden. Indem diese Werke die jeweilige Zeitgeschichte in ihren Erzählkosmos integrieren, werden sie in ihrer Gesamtheit zu einer Bestandsaufnahme der politischen Geschichte und Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts.

    Die Autorenbeiträge bieten nach einem Inhaltsabriss der besprochenen Titel eine Werkanalyse, die vor allem das Zusammenspiel der tatsächlichen historischen und der fiktionalen Elemente herausstellt. Diese Einzelanalysen brechen die Grenze zwischen Historiographie und schöner Literatur auf und machen sichtbar, wie vielfältig und kontinuierlich Literatur und Geschichte schon immer miteinander verbunden waren.

    Zwangsläufig verdeckt die Anordnung nach Autornamen in alphabetischer Reihung ein Netz von Inhalten, die dem Benutzer auf dem Weg der Register erschlossen werden. Im Register der historischen Personen sind sowohl die wirklichen Namen der Urbilder bzw. Modelle entschlüsselt, die sich hinter den fiktionalen Figuren verbergen, wie auch alle anderen historischen Namen in dem jeweiligen Artikel. Hier erst lassen sich die unterschiedlichen Konstellationen vergleichen, in denen Industrielle wie Walther Rathenau und Hanns-Martin Schleyer in der Literatur erscheinen; ebenso lassen sich die irrlichternden Porträts von Revolutionären wie Wladimir Iljitsch Lenin, Leo Trotzki und Che Guevara verfolgen. Zusammen mit dem Sachregister ergeben sich Entdeckungen und unerwartete Perspektiven auf die Detailfülle der jeweiligen Analysen. Im Werkregister sind alle fiktionalen wie nichtfiktionalen Werke aufgelistet, die in den Autorenartikeln ausführlich besprochen sind, ergänzt von Registern der erwähnten Zeitschriften und Zeitungen sowie jener den Themen gewidmeten Spielfilme und TVSendungen. Damit öffnet sich, etwa in Romanen wie Liebe und Bananen (1927) von Artur Landsberger und Käsebier erobert den Kurfürstendamm (1931) von Gabriele Tergit, das ganze Panorama der Film- und Vergnügungsindustrie im Berlin der Zwanziger Jahre. Die Topographien der Metropolen gehören zu den erwartbaren Schauplätzen der Literatur, aber wie steht es um die zahllosen Städte von Badenweiler bis Wuppertal? Im Ortsregister sind die realen Namen der Städte und Orte aufgeführt – ihre fiktionalen Namen können im jeweiligen Beitrag nachgeschlagen werden ?, die in den einzelnen Werken erscheinen.

    Wieder abgedruckt wurde das Register aus Band II von Georg Schneiders Die Schlüsselliteratur (1951- 1953); es verlängert die Untersuchungsperspektive des vorliegenden Werklexikons hinein in das 19. /18. und 17. Jahrhundert und ist eine Quelle von unerwarteten Funden, die auf diese Weise wieder dem Interesse des Lesers zugänglich werden. – Die Register im vorliegenden zweiten Teilband sind mehr als ein zentrales Rechercheinstrument; sie vermögen die kulturhistorische Dimension der verschlüsselten Literatur vor Augen zu führen.

    Der internationalen Germanistik wird mit diesem Nachschlagewerk ein Arbeitsinstrument vorgelegt, das sowohl die existierenden Forschungen zum Realitätsgehalt einzelner Werke bündelt und zugleich dieses Forschungsfeld durch eigene Recherchen erweitert. Ebenso hilfreich dürfte es für Historiker, Politiker, Journalisten und Juristen sein, stellen diese Texte doch ein authentisches Zeitporträt dar, wenngleich gesehen durch die ‚Brille‘ dichterischer Imagination.

    Die Herausgeberin, Professor Dr. Gertrud Maria Rösch, lehrt Literaturwissenschaft an der Universität Heidelberg.

    Der erste Halbband erschien 2011 und ist lieferbar:
    XXX, 406 Seiten. Leinen.
    ISBN 978-3-7772-1130-5.

    «Schlüsselliteratur, das zeigt das Lexikon Fakten und Fiktionen nachdrücklich, verdeutlicht wie kaum ein anderes Genre das Bemühen von Autorinnen und Autoren, Gesellschaft und Politik, mitunter auch den Literaturbetrieb der eigenen Zeit mit den Mitteln des Literarisch-Fiktiven einer unmittelbaren Kritik zu unterziehen. Dieser eminent kritische Impetus von Schlüsselwerken ist es auch, der das vorliegende Lexikon zu einem wichtigen Hilfsmittel nicht nur für Literaturwissenschaftler, sondern auch für Historiker und Gesellschaftswissenschaftler werden lässt. Die Schlüsselwerke reagieren nämlich auf die „Bedrängung ihrer Zeit“, die von den betreffenden Literaten empfunden wurden und werden. Gegenüber diesen Bedrängungen fordern die Werke von ihrem jeweiligen Standpunkt aus Freiheitsrechte ein, die – dem faktischfiktiven Doppelcharakter des Genres entsprechend – immer zugleich Rechte politischer wie künstlerischer Freiheit sind.»

    Aus einer Rezension von Stefan Jordan,
    Historische Kommission bei
    der Bayerischen Akademie der Wissenschaften,
    München, in «Monatshefte» vol. 104, 4, 2012.

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